Dauer und Ablauf
Die Regelausbildungsdauer beträgt 3,5 Jahre. Das erste Lehrjahr ist für alle vier Fachrichtungen identisch: elektrotechnische Grundlagen, Schaltungstechnik, Sicherheitsvorschriften nach VDE, grundlegende Mess- und Prüftechnik. Ab dem zweiten Lehrjahr beginnt die fachrichtungsspezifische Vertiefung.
Berufsschule findet je nach Bundesland und Kammerbezirk ein- bis zweimal wöchentlich oder als Blockunterricht statt, den Rest der Zeit verbringt man im Ausbildungsbetrieb.
Wer mit mittlerer Reife gute Leistungen zeigt, kann die Ausbildung auf 3 Jahre verkürzen. Mit Abitur und entsprechender Absprache mit Betrieb und Kammer ist teils sogar eine Verkürzung auf 2,5 Jahre möglich.
Ausbildungsvergütung nach Lehrjahr
Die Höhe der Vergütung hängt stark davon ab, ob der Ausbildungsbetrieb dem klassischen Elektrohandwerk oder der Metall- und Elektroindustrie zugeordnet ist – und von der Tarifbindung.
Im Elektrohandwerk gilt laut Tarifvertrag (Stand November 2025):
- Lehrjahr: 910 €
- Lehrjahr: 960 €
- Lehrjahr: 1.010 €
- Lehrjahr: 1.060 €
In der Metall- und Elektroindustrie (IG-Metall-Tarifgebiet), wo vor allem Betriebstechnik- und Automatisierungstechnik-Azubis ausgebildet werden, liegen die Sätze spürbar höher. Nach dem IG-Metall-Tarifabschluss steigen die Ausbildungsvergütungen zum 1. April 2026 um weitere 3,1 Prozent. In Baden-Württemberg etwa liegen die tariflichen Sätze bei rund 1.306 € im ersten und rund 1.560 € im vierten Lehrjahr – deutlich über dem Handwerkstarif.
Nicht tarifgebundene Betriebe können weniger zahlen. Wer bei der Ausbildungsplatzsuche Wert auf ein höheres Gehalt legt, sollte gezielt nach Tarifbindung und Branche (Handwerk vs. Industrie) fragen.
Voraussetzungen
Formal genügt für alle vier Fachrichtungen ein Hauptschulabschluss. In der Praxis bevorzugen viele Betriebe – besonders in der Industrie bei Betriebstechnik und Automatisierungs- und Systemtechnik – Bewerber mit mittlerer Reife oder Abitur. Wichtiger als Schulnoten sind für die Ausbildungsbetriebe meist:
- Technisches Verständnis, vor allem in Physik und Mathematik
- Handwerkliches Geschick und Sorgfalt, besonders bei Geräte und Systeme sowie Energie- und Gebäudetechnik
- Interesse an Logik und Programmierung, besonders bei Automatisierungs- und Systemtechnik
- Bereitschaft zu körperlicher Arbeit, insbesondere in der Energie- und Gebäudetechnik mit viel Baustelleneinsatz
Ein Praktikum vor Ausbildungsbeginn ist bei den meisten Betrieben möglich und hilft, die richtige Fachrichtung realistisch einzuschätzen, bevor man sich festlegt.
Was in der Berufsschule vermittelt wird
Neben den fachrichtungsübergreifenden Grundlagen – Elektrotechnik, VDE-Vorschriften, Schaltpläne lesen und zeichnen, Messtechnik – kommen ab dem zweiten Lehrjahr fachrichtungsspezifische Inhalte hinzu. Für Energie- und Gebäudetechnik etwa Photovoltaik und Gebäudeautomation, für Automatisierungs- und Systemtechnik SPS-Programmierung und Steuerungstechnik, für Geräte und Systeme Gerätefertigung und Qualitätssicherung.
Fachrichtung wechseln oder falsch gewählt?
Wer im Lauf der Ausbildung merkt, dass die gewählte Fachrichtung nicht passt, hat es nicht leicht, aber auch nicht unmöglich: Ein Wechsel ist am ehesten am Ende des ersten Lehrjahres sinnvoll, wenn die fachrichtungsspezifische Vertiefung noch nicht begonnen hat. Später bedeutet ein Wechsel in der Regel einen neuen Ausbildungsvertrag und Zeitverlust. Deshalb lohnt sich vor Ausbildungsbeginn ein ehrliches Praktikum in der favorisierten Fachrichtung.
Übernahme und Perspektiven
Der Fachkräftemangel im Elektrohandwerk und in der Elektroindustrie sorgt branchenweit für hohe Übernahmequoten nach der Gesellenprüfung. Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, hat in der Regel keine langwierige Jobsuche vor sich – unabhängig von der gewählten Fachrichtung, wenn auch mit unterschiedlicher Nachfrageintensität je nach Region und Branche.
Alle Zahlen zum Gehalt nach der Ausbildung – nach Fachrichtung, Region und mit Meisterbrief – gibt es im Artikel Elektroniker-Gehalt. Den Gesamtüberblick über den Beruf bietet der Hub Elektroniker – Beruf, Ausbildung und Karriere.
Nach der Ausbildung geht's weiter
Mit dem Gesellenbrief in der Tasche stehen die Türen offen: Berufserfahrung sammeln, direkt den Meisterkurs beginnen oder in eine andere Fachrichtung hineinschnuppern, etwa durch einen Wechsel vom Handwerksbetrieb in die Industrie. Wer während der Ausbildung merkt, dass ihm die Arbeit liegt, aber die Bezahlung im Handwerksbetrieb überschaubar bleibt, findet in der Industrie oft bessere Konditionen bei ähnlicher fachlicher Ausrichtung.
Für alle, die neben Ausbildung und erstem Job auch das Privatleben nicht vergessen wollen: Handwerksingles.de kennt die Welt der Azubis gut. Im Artikel Azubi-Dating im Handwerk geht es darum, wie man auch während der Ausbildung Beziehungen aufbaut.
Datenbasis: Ausbildungsdauer und Fachrichtungen nach der Elektronikerausbildungsverordnung (ElekAusbV 2021). Ausbildungsvergütung Elektrohandwerk: Tarifvertrag Stand November 2025; Metall- und Elektroindustrie: IG-Metall-Entgelttabelle Baden-Württemberg 2026 (rund 1.306 € bis 1.560 €), Erhöhung um 3,1 % zum 1. April 2026.