Rund 131.000 neue Ausbildungsverträge wurden 2024 im deutschen Handwerk abgeschlossen – Tendenz leicht steigend, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) meldet. Das sind hunderttausende junge Menschen, die gerade mit Werkzeug, Berufsschule und dem ersten eigenen Geld jonglieren. Und die nebenbei genauso nach Verbindung suchen wie alle anderen in diesem Alter.
Nur dass der Azubi-Alltag im Handwerk ein paar Besonderheiten mitbringt, die das Dating etwas komplizierter machen als auf dem Uni-Campus.
Berufsschule: Mehr Treffpunkt als man denkt
Wer den ganzen Tag im Betrieb steht, trifft dort meistens dieselben fünf Kollegen. Die Berufsschule ändert das. Hier sitzen Azubis aus dem gesamten Landkreis – junge Elektriker, Maler, Tischler, alle mit demselben Stundenplan und denselben Sorgen vor der nächsten Prüfung.
Das schafft eine besondere Dynamik. Man muss sich nicht erklären, warum man abends müde ist oder warum der Meister schlechte Laune hatte. Das versteht hier jeder.
Pausen, Fahrgemeinschaften zur Schule, gemeinsames Lernen am Nachmittag – das sind die Momente, aus denen sich Bekanntschaften entwickeln. Ohne Druck, ohne Programm. Die Berufsschule ist für viele Azubis sozialer Mittelpunkt, gerade wenn der Betrieb klein ist und das Kollegium aus drei Leuten besteht.
Überbetriebliche Lehrgänge: Die unterschätzte Chance
Noch interessanter sind die überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen, kurz ÜLU. Diese Lehrgänge finden in Ausbildungszentren der Handwerkskammern statt – manchmal tageweise, manchmal als mehrtägige Internatsblöcke. Der Zweck ist rein fachlich: Azubis lernen Grundfertigkeiten, die der eigene Betrieb nicht abdecken kann.
Was dabei passiert: Man trifft plötzlich 15 Azubis aus dem ganzen Bundesland, schläft vielleicht im selben Wohnheim, isst in der Kantine nebeneinander. Für ein paar Tage entsteht eine Art Ferienlager-Atmosphäre. Viele sagen im Rückblick, dass sie dort ihre engsten Freundschaften aus der Ausbildungszeit geknüpft haben – und manche auch mehr.
Der Unterschied zur Berufsschule: Hier ist man herausgelöst aus dem normalen Alltag. Keine Eltern, kein Betrieb, kein gewohntes Umfeld. Das macht es leichter, auf andere zuzugehen.

