Die fünf Schwerpunkte im Detail
Die Schwerpunktwahl ist die wichtigste Entscheidung der Ausbildung – sie prägt den Berufsalltag für viele Jahre.
Boden: Das mengenmäßig größte Berufsfeld. Verlegen von Teppichen, Teppichfliesen, PVC, Linoleum, Kork, Laminat und Parkett. Arbeit auf Baustellen, in Büros, Privathäusern und öffentlichen Gebäuden. Wer hier stark ist, hat in Deutschland und bei internationalen Ausbaufirmen gute Chancen.
Polstern: Werkstattbasiert und sehr handwerklich. Neue Polstermöbel fertigen, alte restaurieren, Schaumstoffe schneiden, Federn aufbauen, Stoffe zuschneiden und beziehen. Dieser Schwerpunkt ist handwerklich besonders fordernd – und für diejenigen ideal, die gerne in der Werkstatt statt auf Baustellen arbeiten.
Raumdekoration: Gardinen, Vorhänge, textile Raumteiler, Dekorationen für Wohnen und Gewerbe. Hier ist Stilgefühl besonders gefragt. Wer gut mit Kunden umgehen kann und ein Gespür für Trends mitbringt, ist im Premiumsegment gefragt.
Licht-, Sicht- und Sonnenschutzanlagen: Jalousien, Rollos, Plissees, Markisen – Montage, Anpassung, Beratung, Reparatur. Dieser Schwerpunkt wächst durch den steigenden Bedarf an Verdunklungslösungen und energieeffizienten Sonnenschutzsystemen.
Wand- und Deckendekoration: Das klassische Tapezierhandwerk in seiner modernen Form – Vliestapeten, Strukturputze, Wandbeschichtungen, textile Wandverkleidungen. Qualitätsbewusstsein und Geduld sind hier die wichtigsten Eigenschaften.
Ausbildungsvergütung 2026: Was Azubis verdienen
Die Vergütung in der Raumausstatter-Ausbildung liegt im unteren Handwerksbereich. Es gibt keinen bundesweit einheitlichen Branchentarifvertrag für alle Betriebe. Als gesetzlicher Mindeststandard gilt 2026 die Mindestausbildungsvergütung:
| Lehrjahr | Mindestausbildungsvergütung 2026 |
|---|
| 1. Lehrjahr | 724 € |
| 2. Lehrjahr | 854 € |
| 3. Lehrjahr | 977 € |
In der Praxis zahlen gut aufgestellte Betriebe mehr. Portale wie aubi-plus berichten von Durchschnittsvergütungen um 763 € im ersten, 867 € im zweiten und 976 € im dritten Lehrjahr. Betriebe in Bayern oder Baden-Württemberg liegen oft über diesen Werten (azubi.de: Bayern 736 €, Baden-Württemberg 758 € im ersten Lehrjahr); Betriebe in Brandenburg zahlen teils nur knapp über dem Mindeststandard.
Wer bei der Betriebswahl gezielt nach Vergütung fragt und Angebote vergleicht, kann im dritten Lehrjahr schnell 150–200 € monatlich herausholen.
Voraussetzungen: Was man mitbringen sollte
Formal reicht ein Hauptschulabschluss. Wer sich auf Betriebe bewirbt, die Wert auf technische Präzision legen (Bodenlegen mit engen Toleranzen, Sonnenschutzsysteme einstellen), sollte mittlere Reife vorweisen können.
Was wirklich zählt:
- Kreativität und Sinn für Farben, Stoffe, Raumgestaltung
- Handwerkliches Geschick und Sorgfalt
- Räumliches Vorstellungsvermögen für Verlegemuster, Polsterformen, Raumproportionen
- Kundenorientierung – besonders bei Raumdekoration und Sonnenschutz
Viele Betriebe bieten vor Ausbildungsbeginn ein Praktikum an. Das ist sinnvoll: Wer nach zwei Wochen Schnuppern noch begeistert ist, hat eine gute Basis für die drei Jahre.
Was in der Berufsschule gelehrt wird
Neben der betrieblichen Praxis deckt die Berufsschule Grundlagen ab, die im Betrieb schwerer zu erarbeiten sind: Materialien und ihre Eigenschaften, Farbenlehre und Raumwirkung, Maßzeichnungen lesen und erstellen, Arbeitssicherheit nach DGUV-Vorschriften, Kundenberatung und Kalkulation.
Ab dem zweiten Lehrjahr kommen schwerpunktspezifische Fachinhalte hinzu. Für den Schwerpunkt Boden zum Beispiel: Untergrundprüfung, Verlege- und Klebetechniken, Nahtverarbeitung. Für Polstern: Polstertechnik, historische und moderne Konstruktionen, Stofffachkunde.
Übernahme und was danach kommt
Der Fachkräftemangel im Handwerk macht es Azubis leichter. Wer eine ordentliche Gesellenprüfung ablegt, findet in der Regel schnell Anschluss – ob im Ausbildungsbetrieb oder bei einem anderen Handwerksunternehmen. Der nächste sinnvolle Schritt ist nach einigen Gesellenjahren der Meisterkurs: Er eröffnet die Möglichkeit zur Selbstständigkeit und deutlich besseren Verdienstchancen.
Alle Gehaltszahlen nach Erfahrung und Qualifikation stehen im Artikel Raumausstatter-Gehalt. Den Gesamtüberblick bietet der Hub Raumausstatter – Beruf, Ausbildung und Karriere.
Für alle, die nach Ausbildung und ersten Berufsjahren auch das Privatleben in Ordnung bringen wollen: Handwerksingles.de weiß, dass Azubi-Zeit und Beziehungsaufbau sich nicht ausschließen müssen. Den Überblick gibt der Partnersuche-Guide für Handwerker.