Wer an Handwerk denkt, denkt selten zuerst an Gebäudereiniger – dabei ist das Gebäudereiniger-Handwerk die beschäftigungsstärkste Handwerksbranche in Deutschland. 700.000 Menschen arbeiten in rund 35.000 Betrieben, laut Branchenreport 2025 des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks. Kein anderer Handwerkszweig bietet so vielen Menschen Arbeit. Und trotzdem wird der Beruf unterschätzt – auch was Karriere und Verdienst angeht.
Was Gebäudereiniger wirklich machen
„Fensterputzen" trifft es nur zum kleinen Teil. Das Berufsbild hat sich stark ausdifferenziert. Je nach Betrieb und Spezialisierung gibt es ganz verschiedene Einsatzbereiche:
Unterhaltsreinigung ist das Tagesgeschäft in Büros, Schulen, Krankenhäusern und öffentlichen Gebäuden. Regelmäßige Reinigungszyklen, definierte Qualitätsstandards, Koordination mit dem Auftraggeber. Wer hier arbeitet, übernimmt schnell Verantwortung – oft als Kolonnenführer für ein Team.
Glasreinigung ist handwerklich anspruchsvoll: senkrechte Glasfassaden an Hochhäusern, empfindliche Wintergärten, großflächige Verglasungen an Industrieanlagen. Für Arbeiten in großer Höhe braucht man Zusatzqualifikationen im Bereich Seilarbeit oder Steigerlizenz.
Fassadenreinigung umfasst Naturstein, Klinker, Beton und moderne Verkleidungen – mit Hochdruck, Chemie oder trocken. Hier treffen technisches Verständnis und handwerkliche Sorgfalt aufeinander.
Industriereinigung ist ein eigenes Feld: Reinigung von Maschinen, Tanks, Fertigungsanlagen. Die Auftraggeber sind Automobilfabriken, Chemiewerke, Lebensmittelbetriebe. Die Anforderungen an Desinfektion und Hygiene sind hoch – die Entlohnung entsprechend.
Sonderreinigungen reichen von Brandschadensanierung über Steinreinigung bis zur Aufbereitung von Bauschäden. Diese Einsätze verlangen spezifisches Wissen und oft spezielle Schutzausrüstung.
Lohngruppen 2026: Was der Tarif sagt
Das Gehalt im Gebäudereiniger-Handwerk ist per Bundesrahmentarifvertrag geregelt – und dieser ist allgemeinverbindlich. Kein Betrieb darf darunter zahlen. Die IG BAU und der Bundesinnungsverband haben sich auf eine zweistufige Erhöhung geeinigt; die aktuellen Stundensätze ab Januar 2026 sind:
| Lohngruppe | Bereich | Stundenlohn ab Jan. 2026 |
|---|---|---|
| LG 1 | Unterhaltsreinigung | 15,00 € |
| LG 2 | Einfache Facharbeiten | 15,46 € |
| LG 3 | Facharbeit | 15,95 € |
| LG 4 | Spezialisierte Facharbeit | 16,66 € |
| LG 6 | Glas- und Sonderreinigung | 18,40 € |
| LG 7 | Kolonnenführer/in | 19,39 € |
| LG 8 | Objektleiter/in | 20,42 € |
| LG 9 | Meister/in | 21,64 € |
Lohngruppe 1 und 6 sind allgemeinverbindlich – LG 6 bis 9 werden betrieblich vereinbart. Wer 160 Stunden pro Monat in LG 1 arbeitet, kommt auf rund 2.400 € brutto; als Objektleiter in LG 8 auf über 3.200 €.
Zum monatlichen Median-Gehalt gibt es Zahlen aus dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Gebäudereiniger und -reinigerin verdienen im Median 2.634 € brutto monatlich. Meister kommen auf einen Median von 3.771 €.
Alle Details zu Gehalt, regionalen Unterschieden und was LG-Einstufung konkret bedeutet, gibt es im Artikel Gebäudereiniger-Gehalt.







