Kein anderer Handwerksberuf ist so eng mit einem gesetzlichen Auftrag verknüpft wie der des Schornsteinfegers. Wer in Deutschland eine Feuerstätte betreibt – Kamin, Ölheizung, Pelletofen, Gasanlage – ist gesetzlich verpflichtet, regelmäßig Kehr- und Messleistungen in Anspruch zu nehmen. Das schafft eine Nachfragegarantie, die in anderen Gewerken schlicht nicht existiert. Hinzu kommen Energieberatung, Emissionskontrollen und die neue Rolle als GEG-Prüfer – der Beruf ist technisch moderner, als das schwarze Erscheinungsbild vermuten lässt.
Was ein Schornsteinfeger heute macht
Der Volksmund nennt ihn Kaminkehrer oder Glücksbringer – der offizielle Ausbildungsberuf heißt seit der Neuordnung Schornsteinfeger/in. Die Aufgaben gliedern sich in hoheitliche und freie Tätigkeiten.
Hoheitliche Tätigkeiten sind gesetzlich festgelegt: Die Feuerstättenschau (zweimal pro Kehrbezirksperiode), die Ausstellung von Feuerstättenbescheiden und die Überwachung der Kehrpflichten nach der Kehrordnung. Diese Aufgaben darf nur der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger (bBSF) ausführen – und für ihn gilt ein Gebührenrahmen nach der Kehr- und Überprüfungsordnung.
Freie Tätigkeiten können alle Schornsteinfegerbetriebe übernehmen: Reinigung von Abgas- und Lüftungsanlagen, Emissionsmessungen nach der 1. BImSchV (gesetzlich vorgeschrieben für Öl- und Gasheizungen, Kamine, Pelletöfen), Überprüfung von Heizungsanlagen nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) sowie unabhängige Energieberatung – etwa zur Effizienz von Wärmeerzeugern oder zur Nachrüstpflicht nach GEG § 71.
Das Ergebnis: Ein Schornsteinfeger ist heute Teil des Energiesystems. Wer beim Kunden steht, schaut nicht nur in den Schlot, sondern bewertet die gesamte Verbrennungsanlage auf Sicherheit, Schadstoffausstoß und Energieeffizienz.
Ausbildung: Drei Jahre, eine Landesfachschule
Die duale Ausbildung dauert drei Jahre – kürzer als beim Elektriker, strukturell aber vergleichbar: Betriebspraxis und Berufsschule wechseln sich ab. Bundesweit zuständig für Teile der überbetrieblichen Ausbildung ist die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Ulm, die als Landesfachschule Schüler aus ganz Deutschland unterrichtet.
Im ersten Lehrjahr stehen Grundlagen im Vordergrund: Baukunde, Werkzeug- und Gerätekunde, Brandschutz, erste Messtechnik. Ab dem zweiten Jahr folgen vertiefte Mess- und Prüfverfahren, Abgastechnik, Energieberatungsgrundlagen und rechtliche Vorschriften nach BImSchV und KÜO.
Alle Details zur Ausbildung – Vergütung, Voraussetzungen, Übernahme – gibt es im Artikel Schornsteinfeger-Ausbildung.







