Drei Jahre auf dem Dach – das klingt nach einem Lebensprojekt, ist aber schlicht die Dauer der Dachdecker-Ausbildung. Wer sie abschließt, tritt in einen Beruf ein, der gerade durch den Solar-Boom an Bedeutung gewinnt und auf dem Arbeitsmarkt händeringend nach Nachwuchs sucht.
Voraussetzungen: Was du wirklich brauchst
Ein bestimmtes Abschlusszeugnis verlangt die Handwerksordnung nicht. Die Realität sieht so aus: Die meisten Betriebe stellen Azubis mit Mittelschulabschluss ein, einige nehmen auch Hauptschüler – wenn die anderen Voraussetzungen stimmen.
Und die sind nicht verhandelbar:
Schwindelfreiheit. Das ist keine Floskel. Dachdecker arbeiten täglich in drei bis zwölf Meter Höhe, auf schmalen Gratbrettern, im Wind. Wer oben auf einer Leiter ins Schwitzen kommt, wird in der Ausbildung schnell merken, dass das nicht funktioniert.
Körperliche Belastbarkeit. Ziegelpaletten schleppen, auf Knien arbeiten, stundenlang kauern und wieder aufstehen – der Beruf ist körperlich fordernd. Wer sich nicht bewegen mag, greift besser zu einer anderen Ausbildung.
Wetterfestigkeit. Dachdecker arbeiten bei Sonne, Regen und Herbststurm. Nur bei Frost oder Schneeglatteis auf dem Dach wird es wirklich gefährlich – und dann ruht die Arbeit. Sonst nicht.
Schulische Stärken in Mathematik helfen: Dachflächen berechnen, Materialmengen schätzen, Neigungswinkel bei PV-Anlagen – das Kopfrechnen kommt täglich vor.
Ausbildungsinhalt: Was in drei Jahren gelernt wird
Die Ausbildung zum Dachdecker und zur Dachdeckerin ist dual: Betrieb und Berufsschule wechseln sich ab. Dazu kommen überbetriebliche Lehrgänge an Ausbildungszentren der Dachdecker-Innungen, wo schwierigere Techniken in Gruppen geübt werden.
Erstes Lehrjahr: Grundlagen. Materialien kennenlernen, einfache Eindeckarbeiten, Werkzeugumgang, Sicherheitsvorschriften auf dem Dach, Gerüstkunde. Wer noch nie auf einem Dach stand, steht am Ende des ersten Jahres sicher oben.
Zweites Lehrjahr: Vertiefung. Flachdachabdichtung, Wärmedämmung, komplexere Steildachformen, Gaubenschnitte, erste Abdichtungsarbeiten an Durchdringungen. Die Berufsschule behandelt Baustoffe, Physik und Betriebswirtschaft.
Drittes Lehrjahr: Spezialisierung und Vorbereitung auf die Gesellenprüfung. Je nach Betriebsschwerpunkt kommen Blitzschutz, Dachbegrünung, Metalleindeckung oder PV-Montage hinzu. Viele Azubis arbeiten im dritten Jahr schon weitgehend selbstständig.







