Wer Dachdecker sagt, denkt zuerst an Ziegel, Steigschuhe und Herbststürme. Das stimmt – aber es erzählt nur die halbe Geschichte. Seit die Energiewende auf Hochtouren läuft, sind Dachdecker plötzlich auch Solar-Fachkräfte. Seit Februar 2025 ist die PV-Montage offiziell dem Dachdeckerhandwerk zugeordnet. Wer jetzt in die Ausbildung startet, lernt nicht nur Regendichtheit, sondern auch Kilowatt-Peak.
Was Dachdecker heute wirklich machen
Der Arbeitsalltag ist breiter als die meisten denken. Ja, Ziegeleindeckung, Bitumenbahnen und Schieferplatten gehören dazu. Aber ein moderner Dachdecker macht weit mehr:
Klassische Gewerke: Steildacheindeckung mit Ton- oder Betonziegel, Naturschiefer, Metall. Flachdachabdichtung mit Kunststoff- oder Bitumenbahnen. Wärmedämmung von innen und außen. Dachrinnen, Schneefangsysteme, Blitzschutzanlagen.
Neuere Aufgaben: Dachfenstereinbau, Gauben, energetische Sanierung. Und seit einigen Jahren wächst ein Geschäftsfeld besonders schnell: Photovoltaik.
Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) betreibt dafür eine eigene Plattform – pv-dachdecker.de. Betriebe, die PV-Anlagen montieren wollen, müssen sich in der Handwerksrolle eintragen und eine Zusatzqualifikation nachweisen. Das klingt nach Bürokratie, ist aber ein Schutzwall gegen billige Konkurrenz von Subunternehmern ohne Qualifikation.
Für Fachkräfte bedeutet das: mehr Aufträge, mehr Stundensätze, mehr Wert auf dem Arbeitsmarkt.
Ausbildung: Drei Jahre, die sich lohnen
Die Dachdecker-Ausbildung dauert drei Jahre. Einen bestimmten Schulabschluss verlangt kein Gesetz, aber die meisten Betriebe stellen Azubis mit Mittelschulabschluss ein. Wichtiger als Noten: Schwindelfreiheit, körperliche Fitness und Lust auf Outdoor-Arbeit bei jedem Wetter.
Die Vergütung nach aktuellem Tarifvertrag (gültig ab Oktober 2025) liegt bei 1.050 Euro im ersten, 1.200 Euro im zweiten und 1.460 Euro im dritten Lehrjahr. Kein Weltrekord, aber anständig – und nach der Gesellenprüfung steigt das Gehalt deutlich.







