Vom Hörsaal aufs Dach
Chiara von Monteton wuchs in Bochum auf, der Vater Ingo führte einen Dachdeckerbetrieb — und trotzdem sollte es zunächst die Universität sein. Sie schrieb sich im Studiengang Bau-Ingenieurwesen ein, saß in Vorlesungen, lernte Formeln. Was fehlte, war der Beton unter den Füßen. Schon in der Studienzeit fuhr sie mittags zur Baustelle, schaute dem Vater und den Gesellen zu, roch nach Dachpappe statt Hörsaalluft. Nach wenigen Semestern war klar: Das Studium passt nicht.
Was dann kam, war keine Notlösung, sondern eine Entscheidung. Chiara begann die Dachdeckerlehre im väterlichen Betrieb — klassisch, von der Pike auf. Kalt im Winter, schwindelerregend im Sommer, körperlich fordernd jeden Tag. Die Gesellenprüfung legte sie ab, die Meisterprüfung schloss sie an der Ausbildungsstätte Eslohe in Westfalen ab. Heute arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Bruder Luca und dem Vater Ingo im Familienbetrieb Dachdeckerei Monteton — ein Betrieb, den die Geschwister später gemeinsam übernehmen werden.
Social Media als Berufs-Botschafterin
Parallel zur Meisterausbildung baute Chiara von Monteton ihren Instagram-Kanal @dachdeckerin_chiara auf. Das Konzept ist konsequent: Kein Privatleben, keine Urlaubs-Fotos, keine Lifestyle-Posts. Nur Dach, Baustelle, Handwerk. Diese Fokussierung ist der Grund, warum über 186.000 Menschen folgen — sie sehen, was ein Dachdeckertag wirklich bedeutet, von der Morgenbaustelle bis zum Feierabend im Regen.
2022 wurde diese Arbeit mit dem Goldenen Blogger in der Kategorie Berufliche Botschafterin ausgezeichnet — einer der bekanntesten Social-Media-Preise im deutschsprachigen Raum. Der Creaton Influencer Award in der Kategorie Persönlichkeit folgte. Schon zuvor hatte ihr ZDF und ARD Beiträge gewidmet; sie gilt als bekannteste Werbebotschafterin für den Dachdeckerberuf überhaupt und wurde in fast allen relevanten Tageszeitungen porträtiert (zuletzt brand eins, 2024).
Seit Oktober 2023 produziert Chiara gemeinsam mit der bayerischen Zimmerin Mara Pischl den Podcast «Baustellen-Beichten» — alle zwei Wochen auf Spotify und Apple Podcasts.
Vorbildrolle für Frauen im Handwerk
Was Chiara von Monteton tut, klingt einfach — und ist es nicht. Sie steht auf Dächern in einer Branche, in der Frauen noch immer eine Minderheit sind. Sie bricht mit Klischees, indem sie sie gar nicht erst anspricht, sondern einfach arbeitet. Das ist ihre eigentliche Botschaft: nicht die Ausnahme sein zu wollen, sondern normal.
Wer sich für den Dachdeckerberuf interessiert oder als Frau im Handwerk Orientierung sucht, findet bei ihr eine ehrliche Perspektive — ohne Hochglanz, ohne Schönreden.

