Ausbildungsvergütung 2026: Lehrjahr für Lehrjahr
Im nordwestdeutschen Tischlerhandwerk gilt laut aktuellem Tarifvertrag (gültig ab 1. Februar 2026, Laufzeit bis November 2026):
| Lehrjahr | Monatliche Vergütung (brutto) |
|---|
| 1. Lehrjahr | 870 € |
| 2. Lehrjahr | 1.000 € |
| 3. Lehrjahr | 1.130 € |
Zum Vergleich: Die gesetzliche BBiG-Mindestausbildungsvergütung liegt 2026 laut BIBB bei 724 € im ersten Lehrjahr (für Ausbildungsbeginne ab Januar 2026). Tarifgebundene Betriebe zahlen erheblich mehr.
Nicht alle Betriebe sind tarifgebunden. Vor Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages lohnt die Frage, ob der Betrieb nach dem geltenden Tarifvertrag des Tischlerhandwerks zahlt.
Was man in der Ausbildung lernt
Die Ausbildungsinhalte sind klar strukturiert. Im ersten Jahr stehen Grundtechniken im Vordergrund: Holzarten kennen und unterscheiden, Handwerkzeug und Maschinen sicher bedienen, Oberflächen vorbereiten. Ab dem zweiten Jahr kommen komplexere Aufgaben hinzu:
- Möbelbau: Planung, Konstruktion, Fertigung von Möbelstücken nach Maß oder nach Kundenwunsch.
- Innenausbau: Einbauschränke, Treppen, Türen, Böden – die klassische Stärke vieler Handwerksbetriebe.
- CNC-Bearbeitung: Fräsen, Sägen und Bohren über computergesteuerte Maschinen ist in modernen Betrieben Standard. In Bayern können Schreiner-Azubis laut Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) am Ende des dritten Lehrjahres das Zertifikat „CNC-Fachkraft im Schreinerhandwerk" erwerben – eine freiwillige Zusatzprüfung an der Berufsschule.
- CAD-Zeichnen: Entwürfe werden heute meist am Rechner erstellt, bevor der erste Span fällt.
- Oberflächenbehandlung: Schleifen, Lackieren, Beizen, Ölen – das handwerkliche Finish, das ein Möbelstück erst fertig macht.
Das Gesellenstück
Am Ende der Ausbildung steht das Gesellenstück – ein selbst entworfenes und gefertigtes Möbel- oder Einrichtungsobjekt. Es ist der praktische Prüfungsteil und zeigt, ob der Azubi eigenständig planen, konstruieren und handwerklich sauber arbeiten kann.
Das Gesellenstück gehört dem Azubi, sobald der Wert der geleisteten Arbeit die reinen Materialkosten übersteigt – das hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Mustervereinbarungen klargestellt. Besonders gelungene Gesellenstücke werden von der Tischler-Innung beim Wettbewerb „Die Gute Form" ausgezeichnet.
Übernahme und was danach kommt
Die Übernahmequote im Tischlerhandwerk ist solide. Der anhaltende Fachkräftemangel im Holzhandwerk macht gut ausgebildete Gesellen zu gesuchten Kandidaten – viele Betriebe sprechen das Thema bereits vor der Abschlussprüfung an.
Nach dem Gesellenbrief gibt es mehrere Wege: Berufserfahrung sammeln, in einen Spezialbetrieb wechseln oder direkt den Meisterkurs anmelden. Mit dem Meistertitel ist die Selbstständigkeit und die Ausbildungsberechtigung verbunden – ein klassischer Weg im Tischlerhandwerk.
Wer mehr über Verdienst als ausgelernter Tischler wissen will, findet die Zahlen im Artikel Tischler-Gehalt. Den Gesamtüberblick über den Beruf – Tätigkeiten, Spezialisierungen, Arbeitgeber – gibt der Hub Tischler – Beruf und Karriere.
Wer neben der Ausbildung auch das Privatleben nicht aus dem Blick verlieren will: Auf Handwerksingles.de finden Azubis im Handwerk Gleichgesinnte.