Ausbildungsvergütung 2026: Was Zimmerer-Azubis verdienen
Die Vergütung richtet sich nach dem Tarifvertrag Bauhauptgewerbe, ausgehandelt zwischen Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Ab April 2026 gelten laut Tarifvertrag bundesweit einheitlich folgende Sätze:
| Lehrjahr | Monatliche Vergütung (brutto) |
|---|
| 1. Lehrjahr | 1.122 € |
| 2. Lehrjahr | 1.351 € |
| 3. Lehrjahr | 1.610 € |
Das sind keine Mindestsätze am unteren Ende – im Handwerksvergleich liegen Bauazubis damit deutlich über dem Durchschnitt. Viele Betriebe zahlen darüber hinaus Prämien, Fahrtkostenzuschüsse und Werkzeuggelder. Die Sätze entsprechen der Tariferhöhung von rund 3,9 Prozent zum April 2026 (Laufzeit des Tarifvertrags bis März 2027) — erstmals ohne Ost-West-Unterschied.
Alles rund ums Gehalt nach dem Gesellenbrief ist im Artikel Zimmermann Gehalt ausführlich beschrieben.
Was in der Ausbildung gelernt wird
Die Ausbildung findet dual statt: Betrieb und Berufsschule wechseln sich ab. Dazu kommen überbetriebliche Lehrgänge (ÜLU), die in Berufsbildungszentren der Handwerkskammern stattfinden – besonders in Stufe 2 für Zimmerer-spezifische Inhalte.
Im Betrieb lernen Azubis:
- Holzverbindungen: Zapfen, Schlitz, Verkämmung, Schwalbenschwanz
- Dachstuhlkonstruktionen: Pfettendach, Sparrendach, Kehlbalkendach
- Holzrahmenbau und Fertigteilelemente
- Aufmaß, Abbund (manuelle und maschinelle Bearbeitung)
- Sanierung und Instandhaltung von Holzkonstruktionen
In der Berufsschule kommen Bautechnik, Statik-Grundlagen, Zeichnen und allgemeinbildende Fächer dazu. Wer beides ernst nimmt, legt damit den Grundstein für den späteren Meisterkurs.
Holzbau-Boom: Warum der Moment gut ist
Der Zimmerer-Beruf profitiert gerade von einem strukturellen Rückenwind. Laut Holzbau-Deutschland-Lagebericht 2025 wurden allein in den ersten drei Quartalen 2025 über 11.300 Wohngebäude in Holzbauweise genehmigt – rund 1.500 mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anteil von Mehrfamilienhäusern in Holzbauweise ist von 6 Prozent (erstes Halbjahr 2023) auf 7,5 Prozent (erstes Halbjahr 2024) gestiegen, Tendenz weiter steigend.
Der Grund: Holz bindet CO₂, ist nachwachsend und lässt sich schnell und sauber verbauen. Kommunen, Wohnbaugesellschaften und Architekten setzen beim klimagerechten Bauen zunehmend auf mehrgeschossigen Holzbau. Zimmerer mit Kenntnissen in modernen Holzrahmenbau-Techniken und digitalem Abbund sind in diesem Segment besonders gefragt.
Die Walz: Drei Jahre und ein Tag
Kaum ein Handwerksberuf ist so eng mit einer Jahrhunderte alten Tradition verbunden wie der Zimmerer: die Walz, auch Wanderjahre oder Gesellenwanderschaft genannt. Wer auf Wanderschaft geht, reist nach dem Gesellenbrief für exakt 3 Jahre und 1 Tag, arbeitet bei fremden Meistern in anderen Regionen und Ländern – und darf der Heimat dabei nicht näher als 50 Kilometer kommen.
Die Regeln: unverheiratet, schuldenfrei, unter 30 Jahre alt beim Start. Mitgenommen werden darf nur, was in einen Ranzen passt. Die Tracht – schwarze Hose, Weste, Jackett, Stresemann-Hut – ist erkennbar auf Straßen durch ganz Europa.
Schätzungsweise 450 bis 600 Handwerker und Handwerkerinnen sind aktuell auf der Walz. Die Gesellenwanderschaft ist seit 2015 offiziell als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt. Pflicht ist sie nicht – wer sie macht, bringt aber Erfahrungen mit, die kein Berufsschulbuch liefern kann.
Voraussetzungen und Bewerbung
Formal reicht ein Hauptschulabschluss. In der Praxis bevorzugen viele Zimmereien mittlere Reife – nicht wegen der Noten, sondern weil Mathe und technisches Zeichnen im Berufsalltag täglich gebraucht werden.
Wichtiger als der Abschluss sind:
- Räumliches Vorstellungsvermögen
- Handwerkliches Geschick und Sorgfalt
- Schwindelfreiheit (Dacharbeiten auf mehreren Metern Höhe)
- Körperliche Belastbarkeit (Holzbalken sind schwer)
Ein Praktikum vor der Bewerbung ist fast überall möglich und sehr empfehlenswert – wer einmal selbst eine Holzverbindung gekerbt hat, weiß schnell, ob der Beruf passt.
Nach dem Gesellenbrief: Was kommt als nächstes?
Die Optionen nach der Zimmerer-Ausbildung sind breit: sofort in den Betrieb einsteigen, in die Industrie wechseln, den Zimmerermeister anstreben oder eine staatlich anerkannte Technikerausbildung beginnen. Wer die Walz macht, kehrt danach meist mit einem anderen Blick auf die eigene Arbeit zurück.
Wer nach Ausbildung und erstem Job auch das Privatleben nicht vernachlässigen will: Handwerksingles.de kennt die Lebenswelt von Zimmerer-Azubis gut. Im Bereich Singles & Partnersuche geht es darum, wie man auch im Berufsalltag auf dem Bau die richtigen Menschen kennenlernt.