Vom Büro auf die Baustelle
Julia Schäfer wuchs in Kraichtal-Unteröwisheim bei Karlsruhe auf, der Vater führte einen Baubetrieb — und trotzdem begann sie nach der Schule zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Was folgte, war eine ehrliche Erkenntnis: Bürostuhl und Aktenordner passten nicht zu ihr. Schon während dieser Zeit arbeitete sie nebenbei auf Baustellen des väterlichen Betriebs Martin Schäfer Bau GmbH, spürte den Beton unter den Händen und merkte, was sie wirklich wollte.
Im Herbst 2015 begann Julia Schäfer ihre Ausbildung zur Maurerin — im Familienbetrieb, klassisch von der Pike auf. Schalungsbau, Bewehrung, Betonieren, Maurerwerk. Körperlich anspruchsvoll, handwerklich präzise, draußen bei jedem Wetter. 2019 schloss sie die Meisterprüfung zur Maurermeisterin und Betonbaumeisterin ab. Seither arbeitet sie im elterlichen Betrieb mit rund 23 Beschäftigten, koordiniert Bauprojekte und greift selbst mit an.
Der Aufstieg zur bekanntesten Handwerkerin im Netz
Parallel zur Meisterausbildung begann Julia Schäfer unter dem Spitznamen aus der Schulzeit — @tschulique — auf Instagram zu posten. Keine Lifestyle-Fotos, keine Fitness-Posts: nur Baustelle. Rohbau, Bagger, Beton, Schalung. Was zunächst lokal für Aufsehen sorgte, wuchs schnell über die Region hinaus. Heute folgen ihr auf Instagram und TikTok kombiniert über 2,5 Millionen Menschen; einzelne Videos erreichen über 8 Millionen Aufrufe (Quelle: Stimme.de, Februar 2024).
SWR, Stuttgarter Zeitung, Deutsche Handwerks Zeitung und das Portal MINT Frauen BW berichteten über sie. Die Deutsche Handwerks Zeitung bezeichnete sie als „bekannteste Stimme des Handwerks auf Instagram und TikTok". Ihren Content produziert sie selbst — Dreh, Schnitt, Ton. Laut einem Bericht der Stimme.de sitzt sie dafür oft bis zwei Uhr morgens am Rechner. Kooperationen macht sie nur mit Produkten, die sie selbst auf der Baustelle nutzt.
Was tschulique für Frauen im Handwerk bedeutet
Julia Schäfer bricht Klischees, ohne groß darüber zu reden — indem sie einfach arbeitet und zeigt, was dabei entsteht. In einer Branche, in der Frauen noch immer eine deutliche Minderheit sind, ist das eine klare Ansage. Junge Frauen, die sich für handwerkliche Berufe interessieren, sehen in @tschulique kein Hochglanz-Ideal, sondern jemanden, der auf dem Bau steht und Feierabend hat, wenn die Schalung sitzt.
Wer sich für den Maurerberuf interessiert oder als Frau im Handwerk nach Orientierung sucht, findet bei tschulique eine der glaubwürdigsten Stimmen der Branche — ungefiltert, direkt, aus Kraichtal.

