Kathrin sagt, es gibt zwei Jahreszeiten in ihrem Betrieb: die normalen Monate — und Oktober bis Januar. In diesen vier Monaten stapeln sich die Aufträge. Küchen, Einbauschränke, Altbausanierungen, die alle bis Weihnachten fertig sein sollen. Kathrin hat vier Gesellen, einen Azubi und sich selbst. Ab Mitte November geht sie oft erst um 20 Uhr nach Hause. So führt sie ihre Tischlerei seit über zwanzig Jahren, und so ehrlich erzählt sie auch davon.
„Ich hab das einmal einem Date erzählt", sagt die 54-jährige Tischlermeisterin aus der Nähe von Flensburg. „Der hat gefragt, ob ich nicht jemanden einstellen könnte, damit ich mehr Zeit habe." Sie macht eine kurze Pause. „Da hab ich gemerkt: Der versteht den Betrieb nicht. Der versteht mich nicht."
Nach der Scheidung hatte sie lange gar nicht gesucht. Der Betrieb, die Leute, die von ihm leben — das füllte die Tage. Eine befreundete Malerin, ebenfalls selbstständig, ebenfalls genervt von Männern, die „selbstständig" als Hobby missverstehen, erzählte ihr irgendwann von handwerksingles.de.
„Ich hab in meinem Profil geschrieben, was Sache ist: Ich hab einen Betrieb. Ich bin viel dort. Ich mag Holz, Stille am Morgen und keine langen Diskussionen darüber, warum ich wieder spät bin." Sie lacht. „Das klingt hart. Aber mit Mitte 50 will man keine Zeit mehr verschwenden."
Stefan, 57, Realschullehrer für Deutsch und Geschichte in Schleswig, fand genau das ansprechend. Er begann das Gespräch mit einem Satz, den Kathrin bis heute zitieren kann: „Tischlermeisterin mit eigenem Betrieb — Respekt. Wann habt ihr eigentlich Ruhe?"
Kathrin schrieb zurück: „Februar. Warum?"
Er: „Dann fang ich mal an, mir den Februar freizuhalten."
„Ehrlichkeit über Verfügbarkeit ist selten. Die meisten schreiben auf Profilen, was sie für attraktiv halten. Sie hat geschrieben, was wirklich ist." — Stefan
Zwei Stunden Café, eine dunkle Stelle am Ärmel
Sie verabredeten sich für einen Samstagvormittag in einem Café in Flensburg. Kathrin kam direkt aus der Werkstatt, wo sie noch schnell eine Schubladenführung kontrolliert hatte, die ihr Azubi eingebaut hatte.
„Er hat gefragt, was die dunkle Stelle auf meinem Ärmel ist. Ich hab gesagt: Holzbeize." Stefan: „Ich hab dann nichts mehr dazu gesagt. Was hätte ich auch sagen sollen."
Zwei Stunden später hatten sie immer noch nicht aufgehört zu reden. Über Berufe, Rhythmen, darüber, was es bedeutet, Verantwortung für Menschen zu tragen — er für seine Schüler, sie für ihren Betrieb und die Leute, die von ihm leben. Über erwachsene Kinder, die aus dem Haus sind. Darüber, wie man mit über 50 noch einmal von vorn anfängt, ohne so zu tun, als wäre man 30.
„Wir haben beide Stress, aber unterschiedlichen Stress", sagt Kathrin. „Er versteht, dass Oktober bei mir Ausnahmezustand bedeutet. Ich versteh, dass er Ende Januar Korrekturen schreibt bis Mitternacht. Wir jammern nicht — wir informieren."
Was nach einem Jahr trägt
Das Paar ist seit fast einem Jahr zusammen. Stefan fährt häufig zu Kathrin — sie aus der Werkstatt zu holen, in die Stadt zum Abendessen, manchmal einfach nur, um da zu sein. Sonntags gehen sie am See spazieren, das Foto oben hat Kathrins Azubi gemacht, als die beiden ihn beim Angeln überrascht haben.
Er hat gelernt, wann er besser nicht anruft. Sie hat gelernt, den Werkzeugkasten zumindest am Wochenende in der Werkstatt zu lassen.
„Er hat mir einmal einen neuen Handhobel zum Geburtstag geschenkt", sagt Kathrin. „Kein Schmuck. Kein Blumenstrauß. Einen Hobel." Sie sieht aus, als hätte sie dieses Geschenk noch nicht ganz verarbeitet — positiv.
Stefan sagt es schlicht: „Sie hat sich das Modell selbst rausgesucht und mir den Link geschickt. Ich hab bestellt. Das war kein Rätsel, das war Kommunikation."
Ihre Pläne für den nächsten Winter: Sie hat für zwei Wochen abgesichert, dass der Betrieb auch ohne sie läuft. Er hat keine Korrekturen in diesen zwei Wochen. Sie fahren an die dänische Küste.
„Zum ersten Mal seit Jahren mach ich wirklich Urlaub", sagt Kathrin. „Das war nicht selbstverständlich. Das hab ich gelernt — wegen ihm."
Was die beiden anderen raten, die spät noch einmal suchen:
- Ehrlich bleiben, von Anfang an. Wer den Betrieb, die Kinder oder den vollen Kalender versteckt, baut auf Sand.
- Nicht jünger machen als man ist. „Die richtige Person sucht keinen Jahrgang", sagt Stefan.
- Den Rhythmus des anderen respektieren — und den eigenen klar benennen, statt ihn zu entschuldigen.
Wer als Handwerker oder als Mensch neben einem Handwerker-Alltag mehr darüber lesen möchte, wie Partnerschaft mit Betrieb und Schicht funktionieren kann: Im Partnersuche-Guide für Handwerker sind auch praktische Tipps, wie man ein Profil aufbaut, das zur eigenen Lebensrealität passt.
